Sanary-sur-Mer

Fotografie: Villa Lazare in Sanary-sur-Mer
Die Villa Lazare, Feuchtwangers Wohnhaus in Sanary-sur-Mer, 1930er Jahre
© Feuchtwanger Memorial Library USC Libraries Special Collections

Sanary-sur-Mer

Hauptstadt der deutschen Literatur

Ich glaube, Sie waren der erste, der sich in der Emigration ein mehr als würdiges, ein glänzendes Heim zu schaffen wusste, in Sanary sur mer, wo wir zusammen die ersten Monate nach unserer Entlassung als deutsche Schriftsteller verbrachten. Ich hätte gern den Goebbels durch Ihre Räume geführt und ihm die Aussicht gezeigt, damit er sich gifte.

Thomas Mann in einem Brief an Lion Feuchtwanger am 17. Juni 1944


Das kleine Fischerdorf Sanary-sur-Mer an der südfranzösischen Küste wurde nach dem Ersten Weltkrieg von Intellektuellen und Künstlern aus Europa als Urlaubs- und Wohnort entdeckt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 entwickelte sich der kleine Ort zwischen Marseille und Toulon zum regelrechten Anziehungspunkt für viele deutsche Künstler. Der Schriftsteller Ludwig Marcuse sprach von dem Ort als „Hauptstadt der deutschen Literatur.“ Für viele Exilanten war der Küstenort die erste Anlaufstation auf ihrer weiteren Flucht. „Wir wohnten im Paradies – notgedrungen“, fasste Marcuse in seinen Erinnerungen die Lage der Exilanten zusammen. Sie ließen sich in Sanary nieder, um weiterzuarbeiten sowie Bekannte zu treffen. Man traf sich in Cafés, am Hafen oder bei Freunden. Einer dieser Treffpunkte war das Haus von Marta und Lion Feuchtwanger. Arnold Zweig, Bertolt Brecht und Thomas Mann waren dort häufig zu Gast. Für die Schriftsteller war Sanary aber auch ein Ort, um in Ruhe arbeiten zu können: Joseph Roth, Feuchtwanger und Zweig schrieben dort, Klaus Mann gründete seine literarische Exilzeitschrift Die Sammlung.

Mit dem deutschen Angriff auf Frankreich 1940 mussten die Exilanten weiterziehen: Das Regime in Vichy, das mit den deutschen Besatzern kollaborierte, inhaftierte viele Deutsche in Lagern. Juden wurden später direkt an die Nationalsozialisten ausgeliefert.

Seit 1987 erinnert eine Gedenktafel an die berühmten Bewohner von Sanary-sur-Mer in den 1930er Jahren, unter anderem an: Eva Herrmann, Egon Erwin Kisch, Erika Mann, Golo Mann, Heinrich Mann, Erwin Piscator, Franz Werfel und Stefan Zweig.

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