Rio de Janeiro

Fotografie: Livraria Guanabara
Der Schriftsteller Stefan Zweig in der Livraria Guanabara, Rua do Ouvidor, Rio de Janeiro
Archiv der Casa Stefan Zweig, Petrópolis, Brasilien

Rio de Janeiro

Künstlerische Vielfalt unter schwierigen Bedingungen  

Niemand nimmt gern Abschied, der hier einmal gewesen. Bei jedem Fortreisen und von jedem Ort wünscht man sich zurück. Schönheit ist selten und vollendete beinahe ein Traum. Diese eine Stadt unter den Städten macht ihn wahr auch in düstersten Stunden; es gibt keine tröstlichere auf Erden.

Stefan Zweig, Brasilien – Land der Zukunft, 1941


Als damalige Hauptstadt Brasiliens war Rio de Janeiro – neben den anderen Küsten-Metropolen São Paulo und Porto Alegre – häufig erste Anlaufstelle für die aus Europa über den Atlantik anreisenden Emigranten. Die meisten deutschsprachigen Exilkünstler ließen sich jedoch nur vorübergehend hier nieder, der Großteil von ihnen kehrte nach dem Ende des Krieges nach Europa zurück. Über das vergleichsweise dichte deutschsprachige Netzwerk anderer Exilzentren wie Paris, New York oder Kalifornien verfügte Rio nicht, dennoch entfaltete sich in der Stadt eine beachtliche kulturelle Produktivität. Im Hotel Central wohnte zweitweise der Schriftsteller Stefan Zweig, bevor er  ins rund 60 Kilometer entfernte Petrópolis übersiedelte. Von der Millionenstadt an der Schwelle zur Moderne zeigte er sich fasziniert und sorgte sich um ihre „ein wenig lärmende und wackelige Romantik“, die er im Schwinden begriffen sah.

Da ab 1942 die deutsche Sprache in Brasilien verboten war, konnten auch in Rio nur jene Schriftsteller und Publizisten beruflich Fuß fassen, die auch die Portugiesische Sprache beherrschten. So veröffentlichten emigrierte Publizisten wie Ernst Feder und Frank Arnau Artikel in städtischen Zeitungen; der Großteil ihrer Kollegen – unter ihnen etwa Ulrich Becher und Marte Brill – arbeiteten hingegen unter Ausschluss der Öffentlichkeit an ihren Theaterstücken und Romanen. Auch emigrierte Maler wie Wilhelm Wöller und Axl Leskoschek wirkten in Rio de Janeiro, letzterer bis 1948 als Professor an der Akademie der bildenden Künste. Nach dem Krieg gelang den Schauspielern Werner Hammer und Wolfgang Hoffmann-Harnisch dort die Gründung eines deutschsprachigen Freien Europäischen Künstlertheaters.

Weiterführende Literatur:
Asmus, Sylvia / Eckl, Marlen (Hg.): „.... mehr vorwärts als rückwärts schauen ...“. Das deutschsprachige Exil in Brasilien 1933-1945. Berlin: Hentrich & Hentrich 2013
Hohnschopp, Christine / Wende, Frank (Bearb.): Exil in Brasilien. Die deutschsprachige Emigration 1933-1945. Frankfurt am Main: Deutsche Bibliothek 1994
Kießling, Wolfgang: Exil in Lateinamerika. Leipzig: Philipp Reclam 1980

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