Sonderausstellung: Ulrich Becher

Adolf Laimböck an Ulrich Becher, 20. Dezember 1980

Brief: Adolf Laimböck an Ulrich Becher
Adolf Laimböck, Brief an Ulrich Becher, 20. Dezember 1982
Deutsches Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek, Nachlass Ulrich Becher, EB 85/147. Mit freundlicher Genehmigung von Martin Roda Becher
Sonderausstellung: Ulrich Becher

Adolf Laimböck an Ulrich Becher, 20. Dezember 1980

Der Bockerer

Unsere aufgezeichnete Aufführung ist in China schon achtmal im Fernsehen ausgestrahlt worden. [...] Wir sind inzwischen bei 86 Vorstellungen angelangt [...] Hier herrscht nach wie vor großer Andrang nach diesem Stück, und wir werden es wohl zu über 100 Vorstellungen bringen.

Adolf Laimböck am 20. Dezember 1982 an Ulrich Becher


Das gemeinsam mit Peter Preses verfasste dramatische Possenspiel Der Bockerer zählte zu Ulrich Bechers größten Erfolgen. Ursprünglich sollte das im New Yorker Exil geschriebene Stück den Titel Neidinger tragen, wurde aber aufgrund von Plagiatsvorwürfen Friedrich Torbergs umbenannt. 1947 wurde Der Bockerer im Verlag Sexl, Wien, veröffentlicht. Ein Jahr später folgte die Uraufführung in der Wiener Scala, ein Grund mehr für Ulrich Becher nach Europa zurückzukehren. Die Episoden aus dem Leben des Wiener Fleischhauers Karl Bockerer während des Nationalsozialismus wurden zu einem großen Erfolg. Die unterschiedlichen Haltungen zum Nationalsozialismus, vom SA-Mitglied, einer Hitler-Verehrerin, über den jüdischen Freund und kommunistischen Eisenbahner, fordern die Zuschauer*innen zur eigenen Positionierung auf. Zwar unterwirft sich der Protagonist Karl Bockerer nicht dem Führerkult, seine engste Familie jedoch huldigt Adolf Hitler. Die Erzählung von Österreich als erstem Opfer Hitlers wird so konterkariert. Über viele Jahre wurde Der Bockerer an Theatern aufgeführt und verfilmt. Der Schauspieler Adolf Laimböck, der in der Inszenierung am Nationaltheater Mannheim die Hauptrolle spielte, schrieb 1982 an Ulrich Becher: „Das vergangene Jahr war mit dem ‚Bockerer‘ ein Höhepunkt in meiner bisherigen Laufbahn als Schauspieler. [...] Ich spiele den Bockerer mit ungebrochener Leidenschaft, und Deine Figur ist für mich keine Rolle mehr, sondern völlig eins mit meinem Ich geworden.“ Nach dem Tod Ulrich Bechers wurden Bockerer-Fortsetzungen des Regisseurs Franz Antel gedreht, die Bechers und Preses Intention verkehrten. Erst spätere Aufführungen am Landestheater Österreich und im Theater in der Josefstadt wurden Bechers Aussage wieder gerecht.

Weiterführende Literatur:
Alfred Stary: Der Bockerer. Von der kritischen Posse zur ‚Nationalliteratur‘. In: Quarto. Zeitschrift des Schweizerischen Literaturarchivs. Ulrich Becher, 2009, 29, S. 76-80.

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