Nelly Sachs(Leonie Sachs)

Fotografie: Nelly Sachs
Passfoto von Nelly Sachs, aufgenommen in Berlin-Charlottenburg im Jahr 1940 vor der Flucht nach Schweden
Deutsches Literaturarchiv Marbach

Nelly Sachs(Leonie Sachs)

Wenn man einmal auf der Flucht einen Stein gestreichelt hat, weil es das erste war, worauf man sich niederließ in einem freien Land – so hat man niemals mehr ein nahes Verhältnis zu allem, was nicht ganz direkt zum Dasein dient.

Nelly Sachs in einem Brief an Dagrun Enzensberger, 22. Januar 1959

Geborenam 10. Dezember 1891 in Berlin, Deutschland
Gestorbenam 12. Mai 1970 in Stockholm, Schweden
ExilSchweden
BerufLyrikerin, Schriftstellerin

Die gebürtige Berlinerin Nelly Sachs schrieb schon als Kind heimlich Gedichte und Märchen. 1921 erschien als erste Veröffentlichung der Band Legenden und Erzählungen mit acht Prosastücken, den sie der von ihr bewunderten schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf schickte. Ein Briefwechsel begann, der bis zu Lagerlöfs Tod 1940 andauerte.

Ab 1929 wurden Gedichte von Sachs in Berliner Tageszeitung abgedruckt – nach Machtantritt der Nationalsozialisten erzwungenermaßen nur in jüdischen Presseorganen. Nach der Reichspogromnacht bemühte sich die junge Schriftstellerin um Ausreisepapiere für sich und ihre verwitwete Mutter und bat auch Lagerlöf um Hilfe. Erst Mitte Mai 1940 – ein Deportationsbescheid wurde bereits zugestellt – hatten sie alle nötigen Unterlagen beisammen und konnten nach Stockholm fliehen, wo sie fortan in bescheidenen Verhältnissen lebten.

Sachs‘ Lyrik veränderte sich unter dem Eindruck des Krieges und der Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden: Ihre Gedichte sind Totenklagen, ihr Bezugsrahmen das Judentum. Die beiden ersten Bände In den Wohnungen des Todes (1947) und Sternverdunkelung (1949) erschienen in Ost-Berlin, in der Bundesrepublik fand Sachs erst Ende der 1950er Jahre Beachtung.

An ihrem 75. Geburtstag am 10. Dezember 1966 erhielt Nelly Sachs zusammen mit dem hebräischen Schriftsteller Samuel Joseph Agnon den Literaturnobelpreis. Ihre kurze Dankesrede hielt die seit 1953 schwedische Staatsbürgerin auf Deutsch. Sachs starb am Tag der Beerdigung des Dichters Paul Celan, mit dem sie seit den 1950er Jahren eng befreundet war.

Wichtige Werke:
In den Wohnungen des Todes (Gedichte, 1947)
Sternverdunkelung (Gedichte, 1949)
Eli. Ein Mysterienspiel vom Leiden Israels (1951)
Fahrt ins Staublose. (Gedichte, 1961)
Teile dich Nacht (Gedichte, 1971)

Weiterführende Literatur:
Dinesen, Ruth: Nelly Sachs. Eine Biographie. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1992
Huml, Ariane (Hg.): „Lichtersprache aus den Rissen“: Nelly Sachs - Werk und Wirkung. Göttingen: Wallstein-Verlag 2008
Kraft, Andreas: „Nur eine Stimme, ein Seufzer“: Die Identität der Dichterin Nelly Sachs und der Holocaust. Frankfurt am Main: Lang 2010
Kranz-Löber, Ruth: „In der Tiefe des Hohlwegs“: die Shoah in der Lyrik von Nelly Sachs. Würzburg: Königshausen & Neumann 2001