Ludwig Berger, Walzerkrieg (Spielfilm, D 1933, Filmausschnitt)

Ludwig Berger, Walzerkrieg
Ludwig Berger, Walzerkrieg (D 1933, Filmausschnitt)
Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden

Ludwig Berger, Walzerkrieg (Spielfilm, D 1933, Filmausschnitt)

Für die Entwicklung einer jungen, noch im Werden begriffenen Kunstgattung, wie es der Tonfilm ist, gibt es keine größere Gefahr als die Schablone. Von Rechts wegen müsste jeder neue Film zugleich auch ein neuer ‚Versuch’ sein, ein kleiner Schritt vorwärts, weg von den üblichen Gleisen.

Ludwig Berger: Aufgabe der Musik im deutschen Film. Berliner Börsen Courier, 5. Oktober 1933


Walzerkrieg (D 1933) ist der wohl erfolgreichste Film Ludwig Bergers. Der ‚Krieg‘ um den besten Walzer entspinnt sich im Wien der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Film löst sich ganz in Walzerklänge, Tanz und Gesang auf. Walzerkrieg zählt nicht nur zu den Höhepunkten der frühen deutschen Tonfilmoperette, sondern markiert auch einen gesellschaftspolitischen Einschnitt in der deutschen Filmproduktion. Noch vor dem Beginn der Dreharbeiten kam es am 29. März 1933 zu einer Sondersitzung des Ufa-Vorstandes, bei der es um die Weiterbeschäftigung von jüdischen Mitarbeitern und Angestellten ging – einen Tag zuvor hatte Joseph Goebbels eine Rede vor Filmschaffenden gehalten. Die Ufa befolgte gehorsam die Vorstellungen des nationalsozialistischen Regimes, noch bevor dieses die ersten antisemitischen Verordnungen und Gesetze erlassen hatte. So beschloss das Ufa-Direktorium sich kurzerhand von über 20 Mitarbeitern zu trennen, darunter auch von Mitwirkenden des Walzerkrieges. Das Drehbuch von Hans Müller und Robert Liebmann war noch 1932 angenommen worden, die Autoren wurden nun jedoch mit sofortiger Wirkung entlassen. Auch von Regisseur Ludwig Berger wollte man sich trennen. Jedoch war sein Vertrag mit der Ufa bereits gezeichnet. Der Leiter des Ufa-Orchesters, Werner Richard Heymann, bekam das Angebot zu bleiben. Er verzichtete aber auf die Vertragsverlängerung und emigrierte nach Paris. 

Bei der Premiere des Films am 4. Oktober 1933 wurden weder die Drehbuchautoren noch der Regisseur oder der Schauspieler Adolf Wohlbrück im Vorspann genannt.

 

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