Sonderausstellung: Max Beckmann

Max Beckmann – Die Zeit vor dem Exil

Gemälde: Max Beckmann, Abfahrt
Max Beckmann: Abfahrt (Departure), 1932-1935
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Fotoabteilung, Museum of Modern Art, New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2015
Sonderausstellung: Max Beckmann

Max Beckmann – Die Zeit vor dem Exil

1. Der erfolgreiche Künstler

Bevor Max Beckmann zum „entarteten“ Künstler geworden war, ist er in Deutschland außerordentlich erfolgreich gewesen und hatte auch im Ausland Anerkennung gefunden. Er wurde mit dem Gemälde Die Nacht 1918 / 1919 jenseits des Expressionismus einer der bedeutendsten Künstler einer Bewegung, die mit dem Begriff Neue Sachlichkeit bzw. Magischer Realismus nur unzulänglich bezeichnet ist.

Mit dem Kriegsende wurde das Werk mehr und mehr von der Thematik des Theaters, auch in den Varianten Zirkus, Kabarett und Fastnacht bestimmt. Kostüm, Maskerade und Rollenspiel entsprachen nun Beckmanns Auffassung vom Leben, wovon nicht zuletzt die Selbstbildnisse als Zirkusdirektor, Harlekin und Artist zeugen. Zur Welt des Scheines, des Un-Wirklichen gehört auch der Bereich des Traumes und der Geschichte. Nicht nur diejenigen seiner Werke, die diese Begriffe im Titel tragen, sondern auch alle anderen sind für Beckmann Bilder einer doppelten Realität.

In den 1920er Jahren wurde Beckmanns Leben wie Schaffen von günstigen Umständen begleitet und gefördert. Dazu gehörten eine große Publikation 1924, die zweite Ehe mit der 20 Jahre jüngeren Frau Mathilde „Quappi“ von Kaulbach seit 1925, der wiederholte Aufenthalt in Italien und in Paris, wo der Maler von 1929 bis 1932 zusätzlich Atelier und Wohnung hatte, sowie die breite öffentliche Anerkennung. Max Beckmann verkehrte in Frankfurt in den wichtigen kulturellen Kreisen um die Frankfurter Zeitung (Heinrich Simon) und das Städelsche Kunstinstitut (Georg Swarzenski), hat 1925 einen Lehrauftrag an der Kunstgewerbeschule erhalten und bekam 1928 die erste umfassende Ausstellung seines Gesamtwerkes in der Kunsthalle Mannheim. Auf der Internationalen Ausstellung des Carnegie Institute in Pittsburgh wurde sein Gemälde Die Loge ausgezeichnet. Im August 1930 fand die erste Einzelausstellung Beckmanns im Ausland statt. Aus der Zeit von 1906 bis 1930 wurden in der Kunsthalle Basel Ölgemälde, Aquarelle, Pastelle und Zeichnungen gezeigt. Gleich im Monat darauf folgte eine Ausstellung der Druckgrafik im Kunstmuseum Basel. Die Ausstellung der Kunsthalle ging anschließend nach Zürich, wo sie im Kunsthaus zu sehen war. 1931 kam es in Paris zur ersten Einzelausstellung des Künstlers, in der Galerie de la Renaissance, und im Jahr darauf zu einer weiteren in der Galerie Bing, ebenfalls in Paris. 1931 war Max Beckmann auch in der Ausstellung deutscher Kunst im Museum of Modern Art in New York vertreten und hatte in der Stadt außerdem eine Einzelausstellung im New Art Circle I. B. Neumann.

Vom Ende des Ersten Weltkrieges bis zu Beginn der 1930er Jahre war Max Beckmann also international zunehmend als bedeutender Künstler wahrgenommen worden.

2. Der „entartete“ Künstler

In Deutschland aber hatten sich die politischen Verhältnisse seit 1930 geändert und mit ihnen auch die kulturpolitischen. Am 15. September dieses Jahres war Beckmann gespannt zu erfahren, „was aus Deutschland’s Schicksal geworden ist“. Er bezieht sich im Brief an seine Frau Quappi auf die Reichstagswahlen vom Vortage, wusste, dass eine erhebliche politische Veränderung möglich sein konnte und musste dann zur Kenntnis nehmen, dass die NSDAP zweitstärkste Fraktion im Reichstag geworden war. Beckmann ahnte, was es für ihn als Künstler bedeuten würde, wenn die Nationalsozialisten völlig an die Macht kämen, und so schrieb er schon am 23. Oktober an Günther Franke: „Vergessen Sie nicht wenn Sie dazu Gelegenheit haben, den Nazis beizubringen daß ich ein deutscher Maler bin.“

Max Beckmann, der seit 1930 zunehmend Anfeindungen ausgesetzt war, hatte am 15. Februar 1932 an Reinhard Piper geschrieben: „Ich bemühe mich durch intensivste Arbeit über den talentlosen Irrsinn der Zeit hinwegzukommen. – So  lächerlich gleichgültig wird einem auf die Dauer dieses ganze politische Gangstertum und man befindet sich am wohlsten auf der Insel seiner Seele.“ Auf dieser Insel ist er allerdings sehr bald gestört worden. Zwar planten Hildebrand Gurlitt in Hamburg und Herbert Kunze in Erfurt für das Frühjahr 1933 noch eine Ausstellung von Beckmanns Werken, und Ludwig Justi, Direktor der Nationalgalerie, hatte für Beckmann einen eigenen Saal mit zehn Gemälden im Berliner Kronprinzenpalais eingerichtet, der im Rahmen einer Neuhängung am 15. Februar der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, doch musste der Saal auf Anweisung der Nationalsozialisten Anfang Juli bereits wieder aufgelöst werden und die Ausstellung in Erfurt kam nicht mehr zustande.

Max Beckmann hatte sich im Januar 1933 eine Wohnung in Berlin – offenbar in Voraussicht des Kommenden – zum Zwecke der Übersiedlung genommen. 1933 wurde er denn auch von der Städtischen Kunstgewerbeschule in Frankfurt entlassen, nachdem Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt worden war. Die neue Wohnung in Berlin erfüllte also ihren Zweck, vorerst ….

Galt seit 1936 unter den Nationalsozialisten ein totales Verbot für moderne Kunst im internationalen Maßstab hinsichtlich Erwerbung und Ausstellung durch öffentliche Museen, des Handels und teilweise auch der Herstellung, so ist entsprechend einem Erlass vom 30. Juni 1937 der Reichskunstkammerpräsident Adolf Ziegler ermächtigt worden, „Werke deutscher Verfallskunst seit 1910“ zum Zwecke einer Ausstellung auszuwählen und sicherzustellen. Diese Ausstellung mit dem Titel "Entartete Kunst" wurde am 19. Juli 1937 in den Hofgarten-Arkaden zu München eröffnet. Anschließend ging sie durch zahlreiche Städte des Deutschen Reiches. Von Max Beckmann waren auf der Ausstellung zwölf Gemälde und zwölf grafische Arbeiten zu sehen, aber 190 sind von ihm in deutschen Museen als „entartet“ beschlagnahmt worden, darunter 23 Gemälde. Ein Teil der Werke von ihm wie von anderen betroffenen Künstlern wurde gegen Devisen ins Ausland verkauft, ein weiterer zerstört.

Am 18. Juli 1937, einen Tag vor der erwähnten Schandausstellung, ist, ebenfalls in München, die Große Deutsche Kunstausstellung im Haus der Deutschen Kunst, heute Haus der Kunst, mit Werken eröffnet worden, die den Nationalsozialisten genehm waren. Die Eröffnungsrede, zu der auch scharfe Angriffe gegen die moderne Kunst gehörten, hielt Adolf Hitler. Max Beckmann aber ist schon vorher klar gewesen, womit er bald insgesamt zu rechnen hatte, und so ist er einen Tag vorher mit seiner Frau nach Amsterdam emigriert.

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