Max Beckmann

Gemälde: Max Beckmann, Befreiter Sträfling
Max Beckmann, Befreiter Sträfling, 1937
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Fotoabteilung, Privatbesitz © VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Max Beckmann

Die Rolle die Du zur Zeit spielst ist die schwierigste aber auch großartigste die Dir das Leben bieten konnte – vergiß das nicht  – Max Beckmann – und gerade so wie sie ist.

Max Beckmann, Tagebuch, 18. Dezember 1940

Geborenam 12. Februar 1884 in Leipzig, Deutschland
Gestorbenam 27. Dezember 1950 in New York, Vereinigte Staaten von Amerika (USA)
ExilNiederlande, Frankreich
BerufMaler

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Die zehn Jahre, die der Maler zum größten Teil in Amsterdam verbracht hat, machen in seinem Leben und Schaffen eine eigene, wichtige Epoche aus. Ihr unmittelbar voraus liegen fünf Jahre in Berlin. Sie schlossen an die Frankfurter Jahre von 1916 bis 1932 an, die für Beckmann mit dem bitteren Erlebnis der Ächtung als „entarteter“ Künstler und der Entlassung aus dem Lehramt endeten. Auf die Zeit in Holland folgte 1947/1948 ein erster Aufenthalt in Amerika und bald darauf die Übersiedlung nach New York.

Max Beckmann war schon vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten Angriffen von deren Seite ausgesetzt, Angriffen, die sich nach dem 30. Januar 1933 noch steigerten. Mit Schreiben vom 31. März wurde ihm zum 15. April dieses Jahres als Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Frankfurt am Main gekündigt. Bald nach Berlin übergesiedelt, hatte der Maler zwar vom 5. Februar bis 5. März noch eine Ausstellung im Hamburger Kunstverein, doch wagte Herbert Kunze vom Museum in Erfurt die bereits übernommene Ausstellung dort nicht mehr zu zeigen. Am 1. Juli wurde Ludwig Justi als Direktor der Nationalgalerie ‚beurlaubt’ und kurz darauf der von ihm eingerichtete Beckmann-Saal des Kronprinzenpalais aufgelöst.

Im Februar 1935 beschlagnahmte die Gestapo im Auktionshaus Hugo Perls, Berlin, 81 Werke verschiedener Maler und Bildhauer als „entartete Kunst“ und übergab diese an die Nationalgalerie. Einige davon wurden als „historisch wertvoll“ ausgewählt, die anderen am 20. Mai 1936 im Heizungskeller des Kronprinzenpalais verbrannt. Am 29. März 1936 hatten Reichstagswahlen stattgefunden, bei denen Hitlers Politik mit 99% an Ja-Stimmen gebilligt wurde. Am 27. November wurde auf Anordnung von Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, die bis dahin übliche Kunstkritik durch „Kunstbericht“ ersetzt, weil es jetzt fast nur noch um genehme Künstler und deren Werke ging, die nicht zu kritisieren waren. 

Im April war Beckmanns Frau Mathilde, genannt Quappi, zu ihrer Schwester Hedda nach Holland gefahren, und Beckmann schreibt ihr, auch wenn er immer noch an Möglichkeiten in Deutschland dachte, am 28. April: „Du vergißt auch nicht mit Deinen Leuten immer noch mal die Möglichkeiten einer Übersiedlung zu besprechen. Man kann ja nie wissen wie alles noch kommt. – Trotzdem müssen wir natürlich immer noch weiter Berlin betreiben.“ Nach anderen Möglichkeiten hat er sich offenbar auch im August 1936, als gerade in Deutschland die Olympischen Spiele liefen, in England erkundigt, wo er ein paar Tage seine emigrierten Frankfurter Freunde Heinrich und Irma Simon in Dunskaith, Surrey, besuchte. Im Februar 1937 waren offenbar seine letzten Hoffnungen auf ein Leben in Deutschland geschwunden, denn er schreibt am 15. dieses Monats an Hanns Swarzenski nach Princeton: „Wir wälzen dauernd Pläne und die Entscheidung ist schwierig wird aber bestimmt bald kommen. Die Idee mit Barr ist nicht schlecht und würde mich eventuell auch entschließen Ihrem Rat zu folgen, wenn sich B. wirklich einsetzt.“ Es ging also auch um eine Einladung von Alfred H. Barr, Direktor des Museums of Modern Art in New York, und damit um eine Emigration nach den USA.

Am 18. Juli 1937 Juli eröffnete Hitler die Große Deutsche Kunstausstellung im eben fertiggestellten Haus der Deutschen Kunst zu München. Max Beckmann und seine Frau Quappi sind bereits einen Tag vorher emigriert, wie der Künstler selbst in seiner Bilderliste mehrfach unterstrichen vermerkt hat: „Amsterdam 1937/ab 17. Juli“ und daneben wohl später: „Emigré“

Trotz aller Schwierigkeiten ist in Amsterdam ein in jeder Hinsicht reiches Werk entstanden, nicht nur hinsichtlich des Umfangs, sondern auch des Ranges, so etliche der Triptychen, die Illustrationen zur „Apokalypse“ und zum „Faust“ neben zahlreichen weiteren Werken. Trotz Exil hat Max Beckmann wie einer der Alten Meister und nur sehr wenige Künstler im zwanzigsten Jahrhundert vermocht, den Reichtum des Lebens wahrzunehmen, sich denkend und empfindend zu eigen zu machen und zu gestalten.

Weiterführende Literatur:
Beckmann & Amerika. Ausstellungskatalog Frankfurt am Main. Herausgegeben von Jutta Schütt. Mit Beiträgen von David Anfam, Karoline Feulner, Ursula Harter, Lynette Roth, Stefana Sabin, Jutta Schütt und Christiane Zeiller. Ostfildern 2011
Lackner, Stephan: Ich erinnere mich gut an Max Beckmann. Mainz 1967
Lackner, Stephan: Exil in Amsterdam und Paris. In: Ausstellungskatalog Max Beckmann. Retrospektive. Hg. von Carla Schulz-Hoffmann und Judith C. Weiss. München u. a. 1984, S. 147 – 158
Max Beckmann. Exil in Amsterdam. Ausstellungskatalog Amsterdam und München 2007 / 2008. Herausgegeben von der Pinakothek der Moderne. Mit Beiträgen von Carla Schulz-Hoffmann, Christian Lenz und Beatrice von Bormann. Ostfildern 2007
Selz, Peter: Die Jahre in Amerika. In: Ausstellungskatalog Max Beckmann. Retrospektive (s. o.), S. 159 – 172

Text: Christian Lenz, Max Beckmann Archiv

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